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André Schulz:
Das große Buch der Schachweltmeisterschaften

Willhelm Steinitz, der im Jahre 1886 das erste offizielle Duell um die Schachweltmeisterschaft gewann, würde sich ob der heutigen Popularität des Schachsports verwundert die Augen reiben: Es gibt Millionen von Schachspielern auf der ganzen Welt, größere wie kleinere Wettbewerbe werden live im Internet übertragen, das Schulschach boomt – Schach ist wahrlich zu einer weltweiten Leidenschaft geworden. Und was würde Steinitz, der zeitlebens unter finanziellen Problemen litt und in Armut starb, über den heutigen Weltmeister Magnus Carlsen denken, der bereits mit Anfang Zwanzig Multimillionär wurde, ganz einfach weil er tolles Schach spielt?

Die Geschichte der Schachweltmeisterschaften spiegelt diesen enormen Wandel wider. Der Hamburger Schachjournalist André Schulz erzählt die Story dieser Titelkämpfe mitsamt all ihrer spannenden Details: Die historischen, politischen und gesellschaftlichen Hintergründe, das Preisgeld, die Sekundanten sowie die psychologische Kriegsführung auf und neben dem Brett. Lassen Sie sich in den Bann der Magie von Capablanca, Aljechin, Botwinnik, Tal, Karpow, Kasparow, Bobby Fischer und all der anderen ziehen! André Schulz hat jeweils eine Schlüsselpartie aus den WM-Kämpfen ausgewählt und erklärt die Züge der Champions in einer für den Amateur leicht nachvollziehbaren Weise. Ein Buch, das in die Bibliothek eines jeden echten Schachliebhabers gehört.

 

 

New In Chess (3. Dezember 2015)
Gebundene Ausgabe, 352 Seiten
ISBN-10: 9056916378
ISBN-13: 978-9056916374

22,80 Euro


Blick ins Buch: Inhalt

 

 

Rezensionen:

"Ein einzigartiges Kompendium"

Axel Eger, Thüringer Allgemeine, Sonntag 21. Mai

Nachdruck mit freundlicher Genehmigung

Karl-das kulturelle Schachmagazin, Heft 1/2016

130 JAHRE TRADITION
Von Harry Schaack

Meilensteine der Schachgeschichte sind vor allem die Weltmeisterschaften. Seit 1886 Steinitz und Zukertort den ersten offiziellen WM-Kampf ausgetragen haben, hat der Zweikampf zur Ermittlung des Besten der Welt nichts an Reiz eingebüßt. Denn Matches sind immer Nervenkriege und nicht nur sportliche Triumphe, sondern auch menschliche Niederlagen. Lange wurde der Weltmeister durch Privatwettkämpfe ermittelt, bei denen der Herausforderer eine gewisse Summe durch Gönner aufbringen musste. Seit dem Tod Aljechins, also nach dem Zweiten Weltkrieg, wird der Herausforderer offiziell durch die FIDE in Kandidatenturnieren ermittelt. Zunächst stellten Spieler aus der UdSSR den Champion, bis ihnen Fischer 1972 den Titel streitig machte. Doch der Amerikaner war nur eine Episode, verschwand danach und die Sowjets übernahmen erneut das Zepter. In den Neunzigern folgte das Schisma, die Spaltung, und fortan gab es zwei Weltmeister, bis es in den 2000er Jahren zur Wiedervereinigung kam.

Dieser bewegten 130 Jahre alten Tradition hat sich nun der Chefredakteur der deutschen Chess­Base-Seite André Schulz angenommen. Es ist nicht die erste WM-Chronik, aber die Vorgänger wie Raymund Stolzes Umkämpfte Krone von 1987 oder zuletzt Kasparows Predecessors sind schon älter und vor allem anders konzipiert. Schulz konzentriert sich auf die 46 "klassischen" Titelkämpfe und 16 Weltmeister. Er fokussiert bei seinen Darstellungen weniger die eigentlichen sportlichen Geschehnisse. Sein Schwerpunkt liegt auf der Darstellung der Ereignisse rund um ein Match und vor allem auf den Biographien der Weltmeister und der Herausforderer.

Das sportliche Geschehen wird nicht immer so ausführlich beschrieben, wie beim ersten Wettkampf zwischen Aljechin und Euwe, bei dem der schwere Alkoholmissbrauch des Titelverteidigers nicht unerheblich zum Sieg Euwes beitrug. Meist wird der Matchverlauf in einem oder wenigen Absätzen zusammengefasst und am Ende stets eine ausgewählte Partie des jeweiligen Wettkampfs präsentiert. Dadurch bleibt bei der Darstellung zuweilen die Dramatik und Dynamik eines Zweikampfes etwas auf Strecke und die schachlichen Gründe für die Niederlage im Dunkeln. Deshalb entsteht gelegentlich ein Ungleichgewicht, weil die Biographien - ganz extrem etwa bei Steinitz - Tschigorin 1889 - deutlich länger sind als die Darstellung des WM-Kampfes. Der Autor erzählt viele Geschichten, dennoch muss der Leser auf einige Anekdoten verzichten. Aljechin berichtet z.B. in Auf dem Weg zur Welt-Meisterschaft 1923-1927 zur 16. Partie seines Wettkampfs mit Capablanca, dass er eine aussichtsreiche Stellung früh Remis gegeben habe, weil wegen einer Feier in der Spielstätte, dem Jockeyclub, ein enormer Lärm herrschte, der das Weiterspielen unmöglich machte. Nun ist Aljechin zwar keine zuverlässige Quelle, aber diese Geschichte verrät doch etwas über die damaligen Spielbedingungen.
Die Stärke des Buches liegt zweifellos in den Biographien. Denn Schulz beschäftigt sich eben nicht nur mit der WM, sondern vor allem mit den Protagonisten. Dabei hat der Autor wenig bekannte Details zu Tage gefördert, wie etwa dass Capablanca während des AVRO-Turniers 1938 einen ersten leichten Schlaganfall erlitt.

Eine weitere Stärke des Buches sind die Schilderungen der Rahmenbedingungen der Wettkämpfe. Schulz gibt Einblicke in die Hintergründe der Preisgeldbeschaffung, in den ersten WM-Matches z.B. durch sogenannte "Backers". Man erfährt, dass es beim WM-Match Tarrasch und Lasker erstmals die heute üblichen Sekundanden gab. Und dass die sowjetische Führung bei Kandidatenturnieren, z.B. in Zürich/Neuhaus 1953 ihren Wunschkandidaten Smyslow durchsetzte, um eine Qualifikation Reshevskys zu verhindern - und dazu waren wahrscheinlich Ergebnisabsprachen der UdSSR-Teilnehmer untereinander nötig. Im anschließenden ersten Match zwischen Botwinnik und Smyslow soll der Titelverteidiger Drohbriefe erhalten haben. Und im zweiten Match zwischen Tal und Botwinnik bestellte der Magier aus Riga einen Hypnotiseur ins Publikum, den der Herausforderer aber nicht bemerkte, weil er stark kurzsichtig war. Eine psychologische Finte, die beim Match zwischen Karpow und Kortschnoi in Baguio 1978 ihre Wiederholung fand.
Botwinnik hat die Weltmeisterschaft nach dem Zweiten Weltkrieg nicht nur beherrscht, weil er langjähriger Champion war und sich den Titel mehrfach zurückeroberte, sondern auch weil er maßgebliche Vorschläge machte, die den Qualifikationszyklus veränderten oder beeinflussten. Und dies durchaus zum Vorteil des Patriarchen, wie Schulz aufschlussreich zeigt.

Zudem lässt der Autor immer wieder Details der Schachgeschichte einfließen, z.B. über die frühere Verwendung des Begriffs "Großmeister", ein Titel, der vor der offiziellen Vergabe nach dem Zweiten Weltkrieg nur denen gebührte, die bereits ein großes Turnier gewonnen hatten. Oder auch dass Tarraschs Bestseller Das Schachbuch bis heute das Schachbuch mit der höchsten Auflage ist.

Diese WM-Chronik ist vor allem eine Sammlung interessanter und lesenswerter Biographien und Rahmengeschichten. Nicht zuletzt der niedrige Preis sollte ein guter Grund sein, sich diesen Überblick über einen der wichtigsten Teile der Schachgeschichte zuzulegen.

Rezension bei Karl-Online

"Schwergewichtig und doch leicht zu lesen."

Dr. Helmut Pfleger, Welt am Sonntag, vom 10. April 2016

Nachdruck mit freundlicher Genehmigung

"Ein Meer an Informationen"

"Das große Buch der Schach-Weltmeisterschaften" von André Schulz zählt zu jenen von mir besprochenen Büchern, bei denen die Vorbereitung der Rezension am zeitaufwändigsten war, deren Länge dies aber nicht widerzuspiegeln vermag. Das Werk ist 2015 bei New In Chess (NIC) erschienen, und zwar in deutscher Sprache, wie der Buchtitel bereits demonstriert. André Schulz ist ein erfahrener Schachjournalist, u.a. zuständig für die Website von ChessBase.

In der Geschichte des Schachspiels wurden 46 Weltmeisterschaftskämpfe ausgetragen, die als "offiziell anerkannt" gelten. In dieser Formulierung zeigt sich bereits, dass weitere unter einem Banner "Weltmeisterschaft" ausgetragene Wettkämpfe bekannt sind, denen aber die allgemeine Anerkennung versagt geblieben ist. Diese fehlen folgerichtig im hier besprochenen Werk, so wie etwa jene als "FIDE-Weltmeisterschaften" ausgespielten Titel, als Kasparow die Krone mit dem Wettkampf gegen Short aus der Organisationsgewalt des Weltschachbundes getragen hatte.

Für jeden offiziellen Weltmeisterschaftskampf gibt es ein Kapitel, bestehend aus einem Textteil und einer kommentierten Partie. Die Kapitel sind insgesamt fünf Teilen zugeordnet, die wie folgt überschrieben sind:

1. Die Zeit der Privatweltmeisterschaften,

2. Die sowjetische Ära,

3. Die neue Ära,

4. Die Zeit des Schismas,

5. Wiedervereinigung und die Zeit danach.

Die Textbeiträge variieren sehr in der Länge. Tendenziell am längsten sind die Beiträge über die Duelle der jüngeren Vergangenheit, soweit es sich nicht um Revanche- oder Wiederholungskämpfe handelte. Dies ist nachvollziehbar, denn aus den zuletzt vergangenen Jahren und Jahrzehnten ist eben doch mehr überliefert als aus den Anfängen der Weltmeisterschaften. Bei einem mehrfachen Aufeinandertreffen der Kontrahenten ist das Grundlegende mit dem Beitrag zum ersten Wettkampf gesagt, sodass für die weiteren Duelle nicht mehr so viel Stoff übrig bleibt. Die Partien sind sicher schon x-fach unter die Lupe und kommentiert veröffentlicht worden. In "Das große Buch der Schach-Weltmeisterschaften" sind sie mit Kommentaren und Analysen zu finden, die mit Engineunterstützung hinterfragt und bestätigt worden sind.

Ich habe mein ganzes Augenmerk auf die Textbeiträge gerichtet und diese vollständig gelesen. Man wird geradezu erschlagen von der Fülle an Informationen, sowohl in der Tiefe als auch in der Breite. André Schulz hat mit viel Fleiß ein Meer an Informationen zusammengetragen, das "Das große Buch der Schach-Weltmeisterschaften" zu einem Nachschlagewerk erster Garnitur avancieren lässt. Der Leser erfährt über die Protagonisten:

- Persönliches wie Herkunft, Bildung, Beruf, Körpergröße, Gesundheitsverfassung und eventuelle Handicaps, Glauben, Missbrauch von Suchtmitteln, politische Weltanschauung, Familienstand, Zahl der Kinder und ggf. auch Zahl der Ehen, gutes und schlechtes Verhalten im Umgang mit anderen, Reichtum und Armut etc.,

- Werdegang im Schach, Erfolge und Misserfolge, Besonderheiten im Kontakt mit anderen Spielern, Trainer, Sekundanten, Stärken und Schwächen im Spiel, Vorzüge und Abneigungen etc.,

- empfangene Förderungen und erlittene Benachteiligungen durch das staatliche System, Verband oder Klub, Betroffensein von Nachreden, Intrigen und Sanktionen bei Misserfolgen, Auswirkungen der Weltpolitik und der unterschiedlichen staatlichen Systeme etc.

Wie die Aufzählung zeigen dürfte, ist "Das große Buch der Schach-Weltmeisterschaften" ganz besonders auch ein Buch des Lebens, unterschieden in alles um das Schachspiel selbst herum und in Staat, Gesellschaft und Geschichte.

Ein wenig habe ich den Glauben daran verloren, dass der Titel des Weltmeisters immer in erster Linie von der Spielstärke dominiert war. Beim Lesen habe ich den Eindruck gewonnen, dass manchmal eher der Geldbeutel bestimmt hat, wer um die Krone kämpfen durfte, oder eben die Politik in facettenreicher Form.

Schulz hat die Informationen sehr gut aufbereitet und erscheint stilistisch wie ein Geschichtsschreiber. Sehr gut gefällt mir auch sein Umgang mit eingeredeten bzw. nicht abschließend beweisbaren Vorgängen. Er führt sie auf, kennzeichnet sie aber entsprechend und erhebt sie damit nicht etwa in den Rang einer Tatsachenbehauptung.

An ein paar Stellen gingen mir seine Informationen aber etwas zu sehr ins Detail. Vermutlich ist es ihm schwergefallen, mühevoll erlangte Informationen teilweise eben auch wieder verwerfen zu müssen. Auch wenn dies verständlich ist, hätte ich beispielsweise auf die intensive Darstellung der Verwandtschaftsverhältnisse der einen oder anderen Randperson gut verzichten können.

Das Werk ist in Sachen Rechtschreibung fehlerarm. Passagenweise aber hätte eine letzte Korrekturlesung noch ein paar Fehler vermeiden lassen können. So finden sich einige Male Trennstriche, die wohl aus dem Ursprungstext übernommen sind, an unpassender Stelle im Text. Offensichtliche Fehlschreibungen wie etwa ein Wortgemenge aus Match und Kampf - vermutlich aus dem Ansatz einer Stilverbesserung entstanden - hätten vermieden werden können. Allerdings ist dies ein "Kritisieren auf hohem Niveau", insgesamt ist das Werk textlich sauber gestaltet.

Die letzten Seiten des Buches sind u.a. ausführlichen statistischen Aufstellungen gewidmet, die seinen Nachschlagewert weiter steigern.

Fazit: "Das große Buch der Schach-Weltmeisterschaften" ist ein ausgezeichnetes dokumentatorisches Werk, das in die Hand jedes Schachfreundes gehört, dessen Interesse sich nicht auf das Spiel an sich beschränkt.

Uwe Bekemann, März 2016

www.BdF-Fernschachbund.de

 

Nachdruck mit freundlicher Genehmigung.

André Schulz: "Das grosse Buch der Schach-Weltmeisterschaften"

Der Online-Schach-Redakteur, -Feuilleton-Autor und -Video-Moderator André Schulz ist mit M. Wüllenweber und M. Feist einer der bestimmenden Köpfe der Hamburger Schachsoftware-Firma Chessbase. Verantwortlich auch für den medialen Auftritt des Unternehmens versorgt er seit bald 20 Jahren die internationale Szene mit News, Interviews und Analysen aus allen theoretischen, gesellschaftlichen und biographischen Bereichen der Schachwelt. Nun tritt er erstmals auch als Buch-Autor in Erscheinung – und dies gleich mit einem "Einstieg ganz oben", mit einem "großen Buch" über die 46 Titelkämpfe der Schach-Weltmeisterschaften "von Steinitz bis Carlsen"

Der Band füllt – trotz thematisch verwandter und bedeutender anderer Publikationen wie z.B. Schonbergs "Die Grossmeister des Schach" (1982), Kasparows 7-bändigem "Meine großen Vorkämpfer" (2006) oder Stolzes "Umkämpfte Krone" (1992) – eine Lücke im Schachbuch-Regal zu den Weltmeisterschaften. Denn Schulz trug insbesondere zu den biographisch-psychologischen wie schach-politischen Hintergründen der WM-Begegnungen der letzten Jahre seit Kasparows Regentschaft – also die (persönlich miterlebte) Zeit von Kramnik, Anand und Carlsen – eine Fülle an Insider-Wissen und "Backstage-News" zusammen, die man hier teils zum ersten Mal erfährt. Aber auch zu den Legenden Capablanca, Aljechin oder Lasker bis hin zur russischen Hegemonie wider das Schachgenie Bobby Fischer grub der Chessbase-Mann tief in der Biographien-Kiste und förderte zahlreiches Amüsantes wie Wissenswertes, dabei oft noch Unveröffentlichtes zu Tage.

Jede WM-"Epoche" ist mit einer charakteristischen, teils mit Computerhilfe, teils mit eigenen Theorien kommentierten Partie sowie mit Bildmaterial illustriert. Letzteres vermag in fotoqualitativer Hinsicht unterschiedlich zu überzeugen, doch insgesamt punktet diese instruktive Schach-Historie mit einer sorgfältigen Typographie, einer ansprechenden layouterischen Gestaltung, mit solider Buch-Fadenbindung und stabilem Hardcover-Einband, wobei der Preis für ein Buch in dieser Qualität moderat ausgefallen ist. Eine schön konzipierte und unterhaltsame Novität für all jene Schach-Freunde, die es mehr nach «Psycho-Futter» denn nach trockener Eröffnungstheorie gelüstet. (we)

Walter Eigenmann, Februar 2016

für Glarean-Magazin

Nachdruck mit freundlicher Genehmigung.

 

"Faktenreich und meinungsstark"

Martin Breutigam, in: Der Tagesspiegel, Februar 2016

Nachdruck mit freundlicher Genehmigung

 

"Weltmeisterliches Werk"

In der Schachliteratur klaffte eine merkwürdige Lücke. Zwar gab es rund um die 16 klassischen Weltmeister sehr vieles, wobei besonders auf Garry Kasparovs mehrbändige Serie "Meine großen Vorkämpfer" hingewiesen sei. Doch ein einzelnes Buch, welches alles von Steinitz Sieg gegen Zukertort 1886 bis Carlsens Erfolg gegen Anand 2014 abhandelt, suchte man bisher vergebens. Andre Schulz hat diese Lücke vorbildlich geschlossen. Jeder einzelne der 46 WM-Kämpfe wird unter ein Motto gestellt und eine Partie wird analysiert. Dabei hat Schulz auch Neues zu Tage gefördert, wie Laskers folgender übersehender Figurengewinn und zwar nicht nur am Brett, sondern auch in der veröffentlichten Analyse gegen Tarrasch in der 16.Partie:

Tarrasch, Siegbert – Lasker, Emanuel

Weltmeisterschaft, Deutschland, 16. Partie, 30.09.1908
Vierspringerspiel (C49)

Stellung nach 18…Kh8

19.Kh1? [Ein grober Fehler, der allerdings unbemerkt blieb. Besser war 19.exf5 d5 20.Lb3 Tae8 21.Kh1 mit nur kleinem schwarzen Vorteil.]

19...b5? [„Das einzige erfolgverheißende Manöver. Der Läufer muss von der Deckung des Punktes e4 abgedrängt werden.“ (Lasker). Lasker übersah bei seinem Kommentar den Figurengewinn 19...fxe4 20.Dxe4 (20.fxe4 Tf2 21.Sf3 Dh5 22.Sf4 Dg4 –+) 20...Lxd4 21.Dxd4 (21.Sxd4 Tf4) 21… Dxd4 22.Sxd4 Tf4 23.c3 c5 –+.]

20.Lb3 fxe4 21.Dxe4 Dxe4 [„Auch 21...Tae8 22.Dxe5 Txe5 23.c3 Tfe8 wäre stark gewesen.“ (Lasker)]

22.fxe4 Tae8 23.Sxc6 [„Wenn Weiß 23.Se6 gezogen hätte, so wäre 23...Tf6 gefolgt. Nach 24.Sxc5 24...dxc5 droht alsdann c4.“ (Lasker). Nach 24.S2d4 Lxd4 (Oder 24...Lb6 25.a4 bxa4 26.Lxa4 Tfxe6 27.Sxe6 Txe6 28.Lxc6 =) 25.Sxd4 Txe4 26.Sxc6 ist von schwarzem Vorteil allerdings kaum etwas zu sehen.]

23...Txe4 24.Sg3 Tee8 25.Td1 [„Diesen Zug halte ich für einen Fehler. Es wäre besser gewesen 25.a4 zu ziehen. Wegen der Drohung, g6, h5, h4 und Turmverdoppelung auf der zweiten Linie ist Taf1 früher oder später erzwungen. Daher ist Tad1 ein Tempoverlust.“ (Lasker)]

25...Tf2 [„Droht h5, h4, T8e2“ (Lasker).]

26.Sd4? [„Ein unglaublicher Fehler, der den sonst schönen Eindruck der Partie verfälscht. Die Lage von Weiß ist sehr schwierig, denn nach 26.Tf1 könnte Schwarz sowohl mit 26...Td2 seinen Angriff fortsetzten oder mit 26...Txf1+ 27.Sxf1 Te1 28.Kg2 Tb1 29.Sd2 Txb2 – drohend a5 – bei starker Stellung einen Bauern gewinnen. 26.a4 war wohl das einzig richtige. Wir waren beide in Zeitnot und ungemein erschöpft.“ (Lasker)]

26...Lxd4 [27.Txd4 Te1+ nebst Matt.] 

0–1

Die Auswahl der Partien gefällt und die Analysen sind kurz und verständlich gehalten. Doch eine Hauptstärke des Buches sehe ich auf dem Gebiet der Darstellung der historischen Zusammenhänge und von vielen kleinen Anekdoten rund um die Welt der 64 Felder. Beispielhaft seien hier folgende kurz angerissen:

1) Im Zusammenhang mit dem WM Match Steinitz gegen Gunsberg 1890 bringt Schulz die Klage welche Gunsberg 1916 gegen die Associated Newspapers und die Chess News Agency (bzw. Evening News) wegen Verleumdung angestrengt hat, weil diese behauptet hatten, seine Schachkolumne im Daily Telegraph, die er seit 26 Jahren führte, sei grob fehlerhaft. Er gewann, weil es ihm gelang das Gericht davon zu überzeugen, dass Nebenlösungen bei Schachproblemen vorkommen können.

2) Von den vielen Wettkämpfen Lasker gegen Janowski 1909 und 1910 war laut Schulz nur ein einziger ein WM Match. Die anderen hatten alle einen anderen Charakter. Die ChessBase MEGABASE listet dagegen zwei Matches als WM Kämpfe auf. Ansonsten ist hier vor allem Georg Marcos spitze Bemerkung: "Entweder siegte Lasker oder es verlor Janowski" in Erinnerung geblieben.

3) Im Zusammenhang mit den WM Kämpfen Karpow gegen Kortschnoi 1978 und 1981 zeigt Schulz auf, welche Längen die Sowjetunion gegangen ist, um den WM-Titel im Land zu behalten. So wurde 1978 selbst ein abhörsicheres Militärzelt auf die Philippinen geflogen, damit Karpows Team ungestört und unabgehört arbeiten konnte.

Viele der Hintergrundgeschichten und Anekdoten kannte ich noch nicht und ich finde sie doch sehr bereichernd, weil historisches Wissen für mich dazugehört, wenn man Schach nicht nur als Sport sondern auch als Kunst, Wissenschaft und nicht zuletzt als Kulturgut ansieht.

Ich habe auch zwei kleine Kritikpunkte: die Schriftgröße könnte etwas größer sein und ein Register sucht man vergebens. Doch diese Punkte wiegen nicht schwer verglichen mit den Vorzügen.

Daher empfehle ich "Das große Buch der Schach-Weltmeisterschaften" nicht zuletzt aufgrund des guten Layouts durch den Verlag New in Chess und des schönen Hardcover-Einbandes als Geschenk für jeden Schachfreund!

 GM Dr. Karsten Müller, Dezember 2015

Nachdruck mit freundlicher Genehmigung.